Schulalltag wie anno dazumal – neue Outdoor-Sonderausstellung eröffnet

Wie sah Schule früher im Allgäu aus? Dieser Frage widmet sich unsere neue Outdoor-Sonderausstellung, die im Rahmen unserer Zusammenarbeit mit der Universität Würzburg entstanden ist. Nina Richter (23) aus Bad Grönenbach hat sich im Zuge ihrer Zulassungsarbeit intensiv mit der Geschichte der Dorfschulen und dem damaligen Schulalltag auseinandergesetzt. Das Ergebnis ist nunmehr auf der Ausstellungsfläche unterhalb der Höfle-Alpe zu besichtigen.
Nina Richter selbst blickt auf eine durchweg positive Schulzeit zurück: Nach dem Besuch der Grundschule in ihrer Heimatgemeinde wechselte sie ab der fünften Klasse nach Memmingen. „Ich bin immer gerne zur Schule gegangen und habe viele schöne Erinnerungen daran“, berichtete die 23-Jährige. Doch wie unterschiedlich gestaltete sich der Unterricht noch vor einigen Jahrzehnten?
Genau hier setzt die Ausstellung an: Sie beleuchtet anschaulich, wie der Alltag in einer typischen Dorfschule organisiert war, welche Fächer unterrichtet wurden und unter welchen Bedingungen Kinder früher lernten. Betrachter erhalten dabei nicht nur einen Einblick in historische Unterrichtsformen, sondern auch in das soziale Leben rund um die Schule im ländlichen Raum.
Zur Eröffnung der Outdoor-Sonderausstellung auf dem Freigelände konnte Nina Richter zahlreiche der von ihr befragten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen begrüßen, die es sich nicht nehmen ließen, „ihre“ Geschichte vor Ort noch einmal in Augenschein zu nehmen.
In einer kurzen Einführung stellten Nina Richter und ihr Dozent Dr. Markus Pingold die zentralen Inhalte und Themen der Ausstellung vor. Die Ausstellung entstand im Rahmen von Richters Zulassungsarbeit in der Geographiedidaktik an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und ist das Ergebnis intensiver Recherchearbeit. Eine besondere Rolle spielten dabei die Zeitzeugen, die ihre persönlichen Erinnerungen teilten und so maßgeblich zur lebendigen Gestaltung der Inhalte beitrugen.
Im Anschluss an die Eröffnung bot sich im Sattlerhof bei Kaffee und Kuchen noch reichlich Gelegenheit zum Austausch und zu persönlichen Gesprächen.
Ein Blick in die Dorfschule von früher
Die Ausstellung zeigt , wie sich der Schulalltag in den Allgäuer Dorfschulen von heute unterscheidet. Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts besuchten Kinder so genannte Volksschulen mit den Klassen 1 bis 8. Gerade in kleinen Orten waren dies meist „Ein-Raum-Schulen“, in denen mehrere Jahrgänge gleichzeitig von nur einer Lehrkraft unterrichtet wurden.
Die Dorfschule war dabei weit mehr als nur ein Lernort: Sie bildete das gesellschaftliche Zentrum des Dorfes. Lehrkräfte übernahmen zahlreiche Aufgaben – sie waren nicht nur Pädagoginnen und Pädagogen, sondern oft auch Organistin, Chorleiterin, Vertrauensperson und eine wichtige Stütze im Dorfleben. Unterrichtet wurde unter einfachen Bedingungen: geheizt mit einem Ofen, geschrieben auf Schiefertafeln und gelernt in gemischten Klassen, in denen viel Eigenständigkeit und Disziplin gefragt waren.
Auch der Schulweg stellte für viele Kinder eine Herausforderung dar. Täglich wurden mehrere Kilometer zu Fuß zurückgelegt – bei jedem Wetter. Alternativ ging es mit dem Fahrrad, im Winter auf Skiern oder gelegentlich sogar auf dem Schlitten oder Milchwagen zur Schule. Bei starkem Schneefall übernachteten manche Kinder auch im Dorf.
Der Unterricht selbst war klar strukturiert, aber zugleich flexibel. Neben Fächern wie „Rechnen“, „Schreiben“, „Religion“ und „Singen“ spielte die „Heimatkunde“ eine zentrale Rolle. Dieses Fach fand häufig draußen statt – im Wald, auf Wiesen oder an Bächen – und vermittelte Wissen über Natur, Umwelt und das Allgäu. Der Schulalltag umfasste natürlich auch Unterricht am Samstag...
Einblicke gibt die Ausstellung zudem in den Alltag der Lehrkräfte, die häufig im Schulhaus lebten und alle Jahrgänge parallel unterrichten mussten. Auch historische Unterrichtsmethoden, Schulmaterialien und der Wandel von Schiefertafeln hin zu Heften werden thematisiert.
Nicht ausgespart werden dabei auch kritische Aspekte: Strenge Disziplin, körperliche Strafen sowie der Einfluss der Zeit des Nationalsozialismus auf das Schulwesen werden beleuchtet. Zudem zeigt die Ausstellung die Entwicklung und das Verschwinden vieler Dorfschulen im Zuge der Schulreformen der 1960er- und 1970er-Jahre – und wirft die Frage auf, ob kleine Schulen im ländlichen Raum heute wieder eine Zukunft haben könnten.


